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Darsteller: Schüler des Windthorst-Gymnasiums Meppen

Leitung: Ellen Bechtluft

„Wir brauchen dringend einen neuen Glauben an den Menschen.“ So tönt der Erzpriester Agathyrsus im Parlamentsausschuss für Kultusfragen. – Das im Jahr 1951 geschriebene Hörspiel „Der Prozess um des Esels Schatten“ des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt erscheint überraschend aktuell.

Anthrax, ein Vertreter des einfachen Volkes, vermietet seinen Esel an den wohlhabenden Zahnarzt Struthion. Im Verlauf einer heißen Reise setzt sich der leidende Reiche für eine kurze Verschnaufpause in den Schatten des Tieres. Da er für diesen Dienst nicht gezahlt hat, entsteht ein Streit. Dieser endet letztlich in besagtem Prozess um des Esels Schatten.

Zu Beginn erscheint die Einigung durch den humanistischen Stadtrichter Philippides („Der Friede ist immer das Beste“) noch möglich. Doch sehr schnell zerschmettern die geldgierigen Anwälte diese Hoffnung. So geht es laut Physignatus, dem Anwalt des Zahnarztes, nicht um seine materielle Bereicherung, wie es ihm das Volk vorwirft, sondern „um eine saubere Rechtsprechung und um nichts anderes!“. Aus der Angelegenheit wird ein Testfall fürs Rechtssystem gestrickt. Die Anwälte treten mit pathetischer und feindseliger Rhetorik gegeneinander an. Beide behaupten, dass die Justiz unglaubwürdig sei, falls nicht der eigenen Partei Recht zugesprochen wird. Neben den fragwürdigen Leitsätzen der Justiz entpuppt sich die gesamte Gemeinde Abderas als Zwei-Parteien-Gesellschaft, die mit aller Kraft am eigenen Untergang arbeitet. Ein sich entfachendes Lauffeuer trägt den Streit durch das gesamte Volk. Jedermann versucht einen persönlichen Vorteil aus der grotesken Sachlage zu ziehen. Es gilt, sich einer Partei anzuschließen und die andere (Glaubens-)Gemeinschaft auszurotten. So wird letztlich jeder zum Beteiligten dieser Auseinandersetzung, welche geradewegs auf eine große Katastrophe hinsteuert.

Die Suche nach dem neuen Glauben an den Menschen bleibt unbeantwortet. Das Stück erscheint als aktueller Spiegel einer modernen Gesellschaft. Populistische Propaganda in allen Netzen sowie Radikalisierungen im Allgemeinen gegen „die Anderen“ finden einen beängstigenden Nährboden. Dürrenmatt trifft einen Nerv der Zeit, der sehenswert erscheint!